Warum Gruppencoaching viel weniger beängstigend ist, als viele denken


Gruppencoaching? Klingt schlimmer, als es ist

Gruppencoaching war für mich früher auch nichts, wo ich innerlich sofort „Juhu, da will ich hin!“ gerufen habe. Eher im Gegenteil. Als ich damals eine Einzeltherapie gesucht habe, bekam ich den Platz unter anderem deshalb, weil ich bereit war, an einem Kombiprogramm teilzunehmen: jede Woche Gruppe und alle zwei bis vier Wochen Einzelgespräch.

Ich war skeptisch.

Ich hatte Bilder im Kopf von unangenehmem Reden vor fremden Menschen, von Bewertung, von zu viel Nähe, von „Ich muss da jetzt alles auspacken“.

Und dann war es anders.

Richtig anders.

Ich habe in diesen Gruppen erlebt, wie wohltuend es sein kann, wenn Menschen sich ehrlich begegnen. Nicht perfekt. Nicht immer leicht. Aber echt. Da saßen Menschen mit völlig unterschiedlichen Geschichten, Schutzstrategien und Lebensthemen. Und trotzdem gab es immer wieder diesen gemeinsamen Kern: das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Die Angst, abgelehnt zu werden. Alte Glaubenssätze. Der Wunsch, endlich anders mit sich selbst umgehen zu können.

Und genau das verbindet.

Auch bei WW, früher Weight Watchers, habe ich erlebt, wie kraftvoll Gruppe sein kann. Da wurde nicht nur über Gewicht gesprochen. Da wurde gemeinsam gefeiert. Jeder kleine Erfolg hatte Bedeutung. Man hat gesehen: Ich bin nicht allein. Andere kennen das auch. Andere kämpfen auch. Andere stolpern auch. Und trotzdem gehen wir weiter.

Diese Erfahrung nehme ich heute mit in meine eigene Arbeit.

Was Gruppencoaching für mich bedeutet

Gruppencoaching heißt für mich nicht, dass jemand sich vor anderen bloßstellen muss. Es heißt auch nicht, dass jeder alles erzählen muss. Ein guter Gruppenraum ist kein Verhör und keine Bühne. Er ist ein geschützter Rahmen, in dem jeder selbst entscheiden darf, wie viel er teilt.

Manchmal reicht es schon, zuzuhören und innerlich zu merken:

„Oh wow, ich dachte, nur ich bin so.“

Gerade beim Thema emotionales Essen ist das unglaublich wertvoll.

Denn emotionales Essen hat selten etwas mit Hunger zu tun. Es geht um Gefühle, Bedürfnisse, Grenzen, Überforderung, alte Muster – und den Wunsch, sich endlich wieder besser zu verstehen.

Viele denken: „Mein Thema ist doch gar nicht so schwer.“

Aber wer abends vor dem Kühlschrank steht und eigentlich gar nicht weiß, was er dort sucht, weiß: Da steckt oft viel mehr dahinter.

In einer guten Gruppe entsteht Verständnis.

Nicht dieses schnelle „Mach doch einfach mal…“, sondern echtes Mitfühlen.

Man hört andere erzählen und erkennt sich selbst wieder.

Man bekommt neue Blickwinkel, ohne dass einem jemand ungefragt eine Lösung überstülpt.

Man darf lachen.

Man darf nachdenken.

Man darf still sein.

Man darf etwas teilen.

Man darf sich zeigen, ohne perfekt sortiert zu sein.

Gruppe darf leicht sein.

Auch wenn das Thema tief ist.

Meine Gruppe findet bewusst vor Ort in Hamburg Süd statt – nicht digital.

Weil ich immer wieder erlebe, wie viel leichter Veränderung fällt, wenn man nicht nur redet, sondern erlebt.

Wir arbeiten nicht nur im Sitzen.

Wir arbeiten mit Körper, Atem, Bewegung, Wahrnehmung.

Mit Walk & Talk, kleinen Yoga‑Elementen, Achtsamkeit, inneren Übungen.

Mit dem Gefühl: Ich bin da. Ich spüre mich. Ich darf in meinem Tempo gehen.

Manchmal kommt man nicht über den Kopf weiter, sondern über den Körper.

Über Gehen. Über Atmen. Über Spüren.

Über das Erleben: Ich bin nicht allein.

Genau dafür ist die Vor‑Ort‑Gruppe da:

für echte Begegnung, echte Präsenz, echtes Erleben.

Wenn du Respekt vor einer Gruppe hast

Vielleicht denkst du:

„Ich will da nicht vor anderen über mein Essverhalten sprechen.“

Das verstehe ich total.

Genau deshalb ist mir wichtig:

Bei mir muss niemand alles erzählen.

Du darfst erst einmal ankommen.

Zuhören.

Fühlen, ob der Raum passt.

Du darfst deine Grenze behalten.

Und vielleicht merkst du irgendwann:

Es tut gut, nicht mehr alles allein mit sich auszumachen.

Was eine gute Gruppe für mich ausmacht

Ein guter Gruppenraum ist ein Ort, in dem Menschen sich nicht vergleichen müssen, sondern erkennen dürfen.

Ein Ort, an dem Erfolge gefeiert werden – kleine genauso wie große.

Ein Ort, an dem nicht bewertet wird, sondern verstanden.

Ein Ort, an dem man gemeinsam herausfindet, was hinter dem Essen wirklich liegt.

Und ein Ort, an dem man wieder ein Stück näher zu sich selbst zurückfindet.

Manchmal entsteht Veränderung genau dort, wo man sich gesehen fühlt, ohne sich erklären zu müssen.

Stay wonderful!

Deine Anne