Von Line Dance, Aperol und der Erkenntnis, dass mein „langweiliges“ Leben eigentlich ziemlich sexy ist


Von Line Dance, Aperol und der Erkenntnis, dass mein „langweiliges“ Leben eigentlich ziemlich sexy ist

Gestern habe ich mich mal aus meiner kleinen, sicheren Reha-Bubble gewagt. Lara und ich sind nach Freiburg zum Line-Dance-Event gefahren – und schon ab dem Hauptbahnhof war klar: Mein Nervensystem hat dafür heute keine Kapazitäten gebucht. Menschen, Geräusche, Energien. Ich war innerhalb von Sekunden reizüberflutet und dachte kurz: Wow, das ist also die Außenwelt. Hatte für mich schon fast Hamburger-Hauptbahnhof-Charakter. Die Menschen schoben sich über den Bahnhof und wir gingen drei Türen weiter, um überhaupt noch mit in die Straßenbahn zu passen.

Freiburg an sich fand ich durch die Fenster heraus sehr anschaulich: alte, urige Gebäude, schöne Atmosphäre, Kopfsteinpflaster, viele Cafés und Restaurants.

Erst ging’s in eine Bar – ein Bier. Dann in die Tanzschule – supermodern, viele Säle, drei Tanzflächen oben. Was fehlte? Cowboystiefel, Cowboyhüte und Country-Musik. Also eigentlich alles, was man mit Line Dance verbindet. Aber gut, man kann nicht alles haben. Wir hatten einen guten Platz, konnten erstmal akklimatisieren. Funfact: Lara ging’s exakt genauso. Und es stellte sich heraus, dass sie ebenfalls Projektorin ist. Zwei Projektorinnen im Highend-Energy-Feld unterwegs. Whoowhoo!

Draußen auf der Terrasse kam eine Frau aus Freiburg auf mich zu – Claudia. Sie fragte, ob sie sich dazusetzen darf, und wir waren sofort im Gespräch. Erst über Freiburg und seine vielen kleinen Läden mit esoterischen Dingen, dann über Human Design. Sie ist MG, ich hab ihr ein bisschen was zu ihrem Chart erzählt – und sie hatte direkt Aha-Momente. Ich liebe das einfach. Dieses ehrliche, neugierige Interesse, wenn Menschen wirklich hören wollen, was man zu erzählen hat. Und dann kamen wir auf mein Buch. Sie wollte sofort den Titel wissen und war begeistert.

Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie herrlich unkompliziert echtes Interesse funktioniert. Außenstehende sind schneller mal Feuer und Flamme. Man hat dieselbe Wellenlänge und ähnliche Themen, und zack: echtes Interesse. Dieses ehrliche: Oh, spannend, erzähl mehr!

Ich habe dort noch einen Wein und einen Aperol Spritz getrunken. Letzteres hat mich überraschend schnell in den Zustand „leicht angeschickert, aber nicht mehr ganz souverän“ gebracht. Und das war’s dann auch mit meiner Energie. Ab 21:30 Uhr war ich einfach nur platt und wollte nur noch in mein aktuelles Zuhause zurück und in mein Bett.

Da wir über 30 Minuten auf den Bus hätten warten müssen, hat uns Svenja – eine Freundin von Lara – spontan vom Bahnhof abgeholt. Ich war so dankbar, ich hab ihr innerlich einen Orden verliehen.

Der Abend war für mich sehr aufschlussreich und interessant. Er hat mir gezeigt: Zu viele Reize + Alkohol = nicht mein Leben. Nicht mehr. Ich liebe mein entspanntes Leben. Naturgeräusche. Klarheit. Nüchternheit. Morgens wach werden ohne das Gefühl, dass mein Gehirn noch rebooten muss. Und ich finde es richtig schön, dass ich das so deutlich spüre.

Auch generell das mit dem Alkohol: Ein Bier – okay. Ein Wein – geht. Ein Aperol – und mein System sagt: „Anne, wir sind raus.“ Nicht moralisch. Einfach ehrlich. Ich brauche das dritte Getränk nicht. Ich brauche auch das ganze „Hochdrehen“ nicht. Ich brauche keine lauten Räume, um mich lebendig zu fühlen.

Früher hätte ich mich gefragt: „Bin ich langweilig geworden?“ Heute weiß ich: Ich bin feiner geworden. Wahrnehmender. Ehrlicher mit mir. Mein Körper macht keine Show mehr mit, nur damit etwas nach „Spaß“ aussieht. Und das fühlt sich nicht nach Rückzug an, sondern nach einer besseren Auswahl.

Mein Fazit: Ich darf Dinge ausprobieren. Ich darf merken, dass sie nicht mehr zu mir passen. Ich darf früher gehen wollen. Ich darf nüchtern und reizarm glücklich sein. Ich muss mein Leben nicht aufregender machen, wenn Ruhe sich richtiger anfühlt.

Und ganz ehrlich?

Ich liebe mein „langweiliges“ Leben.

Weil es gar nicht langweilig ist.

Es ist friedlich.

Es ist klar.

Es ist sexy.

Stay wonderful!

Deine Anne