Meine Grenze ist keine Ablehnung, sie ist ein Ja zu mir. Und wer meine Grenzen nicht respektiert, hat vielleicht zu lange von meiner Grenzenlosigkeit profitiert.


Ich habe viel zu lange geglaubt, ich müsste Erwartungen erfüllen, damit Frieden bleibt. Und irgendwann habe ich gemerkt: Der Frieden war nur außen. In mir war Krieg.
Und ja, ganz ehrlich: Das zieht sich bei mir schon ein bisschen wie ein roter Faden durchs Leben.
Privat. Beruflich. In Beziehungen.
Früher auch am Stall. Nicht am jetzigen Stall, falls hier jemand direkt Schnappatmung bekommt.
Ich bin einfach ein sehr empathischer, mitfühlender und grundsätzlich wohlwollender Mensch. Das ist schön. Wirklich. Aber es hat eben auch seine Tücken.
Denn ich rutsche dadurch gerne mal in Situationen, in denen ich viel zu lange mittrage, mitdenke, mitfühle, mitorganisiere, mitbezahle, mitwarte, mitverstehe und mich dabei selbst irgendwo in die Ecke stelle wie einen alten Staubsauger.
Hauptsache, alle anderen kommen klar.
Spoiler: Ich komme dann irgendwann nicht mehr klar.
Spirituell könnte ich das natürlich sehr elegant auf meine Fünferlinie schieben. Klingt auch schöner als: „Anne, du hast deine Grenzen mal wieder erst bemerkt, als sie schon mit Blaulicht abtransportiert wurden.“
Aber faktisch ist es genau das. Ich darf viel früher sagen, was ich leisten kann. Was ich nicht leisten kann. Was ich tragen kann. Was ich nicht tragen kann. Was für mich okay ist. Und was eben nicht.
Und zwar nicht erst dann, wenn innerlich schon alles brennt und ich therapeutische Unterstützung brauche, in einer Klinik sitze oder in der Reha im Schwarzwald plötzlich mit Abstand denke: Ach guck, war vielleicht doch ein bisschen viel.
So ein bisschen Trial and Error eben.
Nur dass der Error manchmal aussieht wie: Komplett über meine eigenen Grenzen gelatscht und mich dann gewundert, warum ich platt bin.
Und das Spannende ist ja: Solange man funktioniert, ist man super. Hilfsbereit. Verständnisvoll. Geduldig. Empathisch. Loyal. Belastbar. Ach, was für ein angenehmer Mensch. Aber wehe, man sagt irgendwann: Moment. Bis hierhin und nicht weiter. Dann wird es plötzlich komisch. Dann fühlen sich manche Menschen abgelehnt. Werden patzig. Sind empört. Werden respektlos. Also noch respektloser als ohnehin schon. Oder tun so, als hätte man persönlich den Weltfrieden gekündigt.
Dabei hat man nur aufgehört, sich selbst komplett zu übergehen. Und genau das finde ich wirklich schräg. Phänomenal zu beobachten. Erschreckend zugleich. Und auch irgendwie lehrreich, wenn man nicht gerade mittendrin steht und denkt: Joa, läuft ja wieder fantastisch.
Ich sehe heute klarer: Ich habe oft zu lange Erwartungen erfüllt, die ich viel früher hätte sortieren müssen. Im Job. Im Miteinander. In Beziehungen. Bei finanziellen Themen. Bei Geduld. Bei Anpassung. Bei Hobbys, Alltag und Verhalten.
Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem ich merke: Ich gehe daran kaputt.
Und dann kommt Abstand. Klinik. Reha. Schwarzwald. Ruhe. Gespräche. Spaziergänge. Diese Momente, in denen man sich selbst wieder hört und denkt:
Ach stimmt. Ich bin ja auch noch da. Und genau dafür bin ich gerade so dankbar. Weil ich hier merke: Ich muss nicht mein ganzes Leben damit verbringen, Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen, damit die glücklich sind und ich selbst innerlich in den Primeln liege. Ich verbringe mein ganzes Leben mit mir. Nicht mit meinem Arbeitgeber. Nicht mit irgendeinem Team. Nicht mit einem Partner. Nicht mit Menschen, die nur dann entspannt sind, wenn ich mich klein mache, anpasse oder alles schlucke. Mit mir.
Also darf ich mich auch endlich auf die erste Stufe stellen. Nicht, weil ich plötzlich hart, egoistisch oder kalt werde. Sondern weil ich nicht mehr bereit bin, mich selbst als letztes zu berücksichtigen. Und ja, wahrscheinlich wird das am Anfang ungewohnt.
Sowohl für mich - und für andere erst recht.
Aber gut. Dann ist das eben so. Dann wird mein Kreis noch kleiner. Dafür aber auch noch ehrlicher und authentischer.
Ich werde künftig früher sagen, wofür ich stehe. Was meine Werte sind. Was meine Grenzen sind. Was ich leisten kann. Was ich nicht leisten kann. Und welchen Wert meine Zeit, meine Energie, meine Arbeitskraft und mein Herz eigentlich haben.
Meine Grenze ist keine Ablehnung - sie ist ein Ja zu mir.
Und wer meine Grenzen nicht respektiert, hat vielleicht schon zu lange von meiner Grenzenlosigkeit profitiert.
Stay wonderful!
Deine Anne
Wichtiger Hinweis
Mein Coaching dient der persönlichen Begleitung und Selbstreflexion und ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung.
Wenn du unsicher bist, ob Coaching gerade passend ist, kläre das bitte mit deinem Hausarzt oder einer therapeutischen Fachperson – alternativ kannst du dich auch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden: 116117 (www.116117.de).
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