Wie macht man das eigentlich mit dem Alleinsein?
Mein Partner ist ja nun vor einer Woche ausgezogen. Meine Tochter ist erwachsen, macht ihre Ausbildung und ist viel unterwegs.
Und ich stehe hier plötzlich in meinem eigenen Haus und denke: Ach guck. So klingt es also, wenn keiner da ist.
Seit ich 25 war, war ich eigentlich nie regelmäßig allein. Ich habe es immer geliebt, morgens als Erste aufzustehen, Kaffee zu trinken, noch nicht reden zu müssen und zwei Stunden nur für mich zu haben.
Das war Luxus.
Jetzt habe ich die meiste Zeit des Tages für mich allein.
Und ich bin ehrlich: Ich finde das schwierig.
Ich habe schon zwei Freundinnen interviewt, die allein wohnen und es lieben, für sich zu sein. Ich würde da ja gerne mal einen Kurs belegen. Falls das jemand anbietet: Ich buche!
Mir wurde gesagt, ich solle über die Vorteile des Alleinseins nachdenken.
Da ist mir spontan erstmal nur eingefallen, dass ich meine Hörgeräte nicht einsetzen muss, weil ich ja niemanden verstehen brauche.
Hörgeräte einsetzen ist für mich wie morgens vor dem Duschen schon mal einen BH anzuziehen. Kann man machen, muss man aber nicht.
Okay. Was noch?
Ich muss das Geschirr nicht sofort in die Spülmaschine räumen. Ich kann Wäsche erst waschen, wenn ich wirklich etwas zum Anziehen brauche. Ich kann essen, worauf ich Lust habe, ohne vorher eine kleine Haushaltskonferenz einzuberufen.
Ich kann mitten am Tag in Jogginghose durch die Küche schlurfen, ohne dass jemand fragt: „Alles gut bei dir?“
Ich kann das Fenster aufmachen, wann ich will. Oder zumachen. Auch schön.
Und heute habe ich mir Pizza und Apfelkuchen bestellt und musste es nur für mich bezahlen.
Ein bisschen Charme hat es also, das Alleinsein.
Aber ich bin ehrlich: Ich bin eher das Herdentier.
Morgens meine Stunden allein und tagsüber, wenn ich arbeite – das reicht mir im Alltag völlig aus.
Ich mag Menschen in meiner Nähe. Geräusche. Türen. Schritte. Irgendwen, der durchs Haus wuselt. Dieses Gefühl, dass da noch jemand ist, auch wenn man gerade gar nicht miteinander spricht.
Jetzt ist es oft still.
Manchmal angenehm still.
Manchmal aber auch so still, dass ich mich selbst wieder viel zu laut höre.
Was ist mit dir?
Lebst du allein?
Wenn ja: Klappt das gut?
Was machst du bei diesem Leere-Gefühl?
Kompensieren zählt hier nicht. Also kein Bier trinken, keine Dating-Apps suchten und kein Trösten mit Schokolade.
Ich meine echte Strategien.
Die kleinen, unspektakulären Dinge, die helfen, wenn das Haus still ist und man mit sich selbst erstmal wieder klarkommen muss.
Stay wonderful!
Deine Anne