Polarisiert? Willkommen im Club – ich bin Vorsitzende.

Polarisiert? Willkommen im Club – ich bin Vorsitzende.

Es gibt Menschen, die mag man – oder eben nicht.
Und dann gibt’s Menschen wie mich: die mag man ODER man mag sie so gar nicht.
Dazwischen scheint’s selten etwas zu geben.
Danke, Profil 5 im Human Design – meine persönliche eingebaute Projektionsfläche.

Mal bin ich der Retter, mal der Verräter.
Mal die Königin, mal das Bauernopfer.
Je nachdem, was gerade jemand in mir sehen möchte.
Ich sag’s mal so: Wenn ich Eintritt nehmen würde für all diese Projektionen, wäre ich reich.

Und genau aus dieser Energie heraus kommt eine wichtige Erkenntnis:
Nicht jeder muss mich mögen.
Schon gar nicht an Tagen, an denen ich mich selber nicht besonders mag.
(Und ja, solche Tage gibt’s!)

Wenn man sich selbst polarisiert – der Spaß beginnt

Es gibt diese Tage, da trifft man sich selbst und denkt:
„Puh. Heute eher so… schwierig.“

Gestern war so ein Tag.

Ich hatte eine Live-Session in meiner Coaching-Ausbildung geleitet, inkl. Videoaufzeichnung.
Als ich das Video bearbeitete und mich sah – meine Mimik, meine Gestik, mein Lachen, mein Haarschnitt – hat es mich komplett aus der Kurve getragen.

Ich dachte ernsthaft:
„Okay… wenn ich mich selbst gerade nervig finde, dann verstehe ich zumindest, warum andere mich manchmal ablehnen.“

Ein bisschen Drama muss sein.

Das Lustigste daran?
Einen Tag zuvor war ich total begeistert von meiner Stimme.
Ich dachte noch:
„Ach guck, mir hör ich ja richtig gern zu!“
Aber im Video war meine Stimme plötzlich völlig egal – mein Gesicht hat alles überstrahlt.
(Und nein, nicht im influencerhaften Glow.)

Zwischen Selbstliebe, Übergewicht und: Warum bin ich nicht schon weiter?!

Ich bin gerade voll im Modus: Selbstfürsorge, Selbstliebe, 10-Schritte-Programm.
Ich übe das alles selbst durch, bevor ich es Klientinnen an die Hand gebe.

Und trotzdem frage ich mich manchmal:
Warum lande ich emotional an Tag 1 statt Tag 278?
Warum mag ich mich heute nicht?
Wie komme ich zur bedingungslosen Selbstliebe – unabhängig von Körpergewicht, Wassereinlagerungen und spontanen Bad-Hair-Crimes?

Und dann kommt natürlich die nächste Frage:
Bin ich überhaupt der richtige Mensch für Coaching?

Die ehrliche Antwort lautet:
Keine Ahnung – aber ich finde es heraus.
Probieren geht über Studieren.
Ich bleibe dran, heile, reflektiere – und gehe weiter.

Trigger Nummer zwei: Fremdbestimmung – oder wie man mich zuverlässig aus der Ruhe bringt

Fünf Tage lang führte ich ein Ernährungstagebuch.
Hunger, Appetit, Langeweile, Emotionen – alles fein säuberlich notiert.

Dann kam die Aufgabe:
Wähle einen Tag aus, durchlebe ihn nochmal – aber nur mit den Mahlzeiten, die wirklich aus Hunger entstanden sind.
Alles andere weg.
Alles.

Und da ging in mir die innere Feuerwehrsirene los.

Ich esse ohnehin im Defizit.
Ich mag es nicht, wenn Dinge vorgegeben sind.
Ich möchte selbst entscheiden, was ich wann esse.
Freiheit ist halt mein Ding.

Mein Coaching-Buddy und ich entschieden trotzdem:
Wir machen das jetzt. Ohne Ausreden. Einfach ausprobieren und gucken, was passiert.

Und dann war da noch dieser hilfreiche Satz von einer anderen Teilnehmerin:

„Ich werde nicht verhungern. Ich werde nicht verhungern. Ich werde nicht verhungern.“

Und ganz ehrlich – sie hat recht.
Wir leben nicht inmitten einer Hungersnot.
Wir haben Essen IM ÜBERFLUSS.
Wenn man mal auf Chips, Schokolade oder Weingummi verzichtet, stirbt man nicht.
Zumindest körperlich nicht.
Emotional… anderes Thema.

Bis Mittag hielt ich durch. Dann kam das Leben.

Ich spürte Cravings, blieb stark.
Ich dachte wirklich, ich rocke diese Aufgabe.

Dann Mittagessen.
Pause.
Kurzer Nap.

Und als ich wieder wach wurde – Zack: Druck.

Und ich hielt nicht stand.

Ich aß einfach ALLES, was rumlag:
Chips, Schokolade, gebrannte Mandeln, Weingummi.
(Ein Querschnitt durch den Weihnachtsmarkt, quasi.)

Irgendwann bin ich einfach wieder eingeschlafen.

Und am nächsten Morgen?

Ich saß da und dachte:
„Und was mache ich jetzt damit?“

Antwort:
Das Beste draus.

Was klappt, klappt.
Was nicht klappt, ist auch okay.
Auf der Reise zu mir selbst muss ich mich nicht sklavisch an Regeln halten.

Ich habe gelernt:
Das Gefühl von Fremdbestimmung ist ein riesiger Trigger für mich.
Und das Video, das ich nicht mochte?
War die Kirsche auf diesem Trigger-Sahnehäubchen.

Das Ganze war einfach zu viel für einen Tag.

Ebbe. Flut. Ausholen statt Rückschritt.

Früher hätte ich gesagt:
„Super. Wieder versagt. Jetzt ist auch alles egal.“

Heute sehe ich es anders.
Ich erkenne, dass solche Tage oft Vorboten eines nächsten Schrittes sind.
Wie Ebbe und Flut:
Das Meer zieht sich zurück, holt Schwung – und bricht dann nach vorne.

Es ist kein Rückschritt.
Es ist Ausholen.

Und ich bin dankbar, dass ich das heute sehen kann.
Ich erkenne Grautöne, wo früher nur Schwarz-Weiß war.
Ich erkenne, dass nicht jeder mich mögen muss.
Ich erkenne, dass ich mich auch nicht jeden Tag mögen muss.

Und dass das völlig okay ist.

Manchmal darf ein Tag einfach ein „solcher Tag“ sein.

Man muss nicht performen.
Nicht heilen.
Nicht verarbeiten.
Nicht funktionieren.

Man darf einfach sein.
Mit Humor.
Mit Triggern.
Mit Zweifel.
Mit Wachstum.
Mit Menschlichkeit.

Und genau darum geht es am Ende:
Annehmen, was ist – und weitergehen.

Stay wonderful!

Deine Anne

Life compas[sion]®