Ego versus Höheres Selbst

Ego versus Höheres Selbst – und die Frage, wer wirklich glücklich lebt

In unserer Gesellschaft werden bestimmte Eigenschaften extrem gefeiert. Schnell reagieren. Diszipliniert sein. Sich im Griff haben. Dinge bewerten können. Kontrolle behalten. Wer so ist, gilt als stark, erfolgreich, professionell. Und ja, das ist im Ego-Modus auch alles logisch. Das Ego liebt Struktur, Leistung, Vergleich, Status. Es will im Außen gut dastehen. Es will, dass andere sehen, dass man „es geschafft hat“.

Aber ich frage mich immer öfter: Wo bleibt dabei eigentlich das Leben? Wo bleibt die Weichheit, die Leichtigkeit, das Spüren?

Für mich bedeutet Ego vor allem dieses ständige Streben. Besser werden, mehr erreichen, mehr haben, mehr sein. Damit man im Außen erfolgreich wirkt. Damit man reinpasst. Damit der Lebenslauf stimmt, das Konto, das Ansehen. Aber was will ich eigentlich wirklich? Wenn ich ganz ehrlich bin, will ich am Ende meines Lebens nicht sagen: Ich habe alles richtig gemacht. Ich will sagen: Ich habe ehrlich gelebt. Ich habe aus dem Bauch heraus entschieden. Ich habe mich getraut, Dinge loszulassen, die sich nicht mehr gut angefühlt haben. Ich habe reflektiert, statt nur zu funktionieren. Ich bin gewachsen, statt mich in Gewohnheiten einzuzementieren. Ich habe mich und das Leben akzeptiert, wie es ist, ohne ständig alles verbiegen zu wollen.

Und genau da fühlt sich für mich das höhere Selbst an. Nicht als irgendwas Abgehobenes, sondern als dieser innere Ort, an dem du nicht beweisen musst, wer du bist. Da geht es nicht darum, perfekt zu sein. Sondern stimmig. Nicht darum, alles im Griff zu haben. Sondern darum, dir selbst zu vertrauen.

Viele Menschen leben so extrem. Extrem leistungsorientiert. Extrem gesund. Extrem sportlich. Extrem karrierefixiert. Und oft frage ich mich, ob sie auf diesem Weg überhaupt noch merken, wie es ihnen eigentlich geht. Oder ob sie einfach einem Ziel hinterherlaufen, weil es Prestige bringt, Status, schöne Bilder nach außen. Ein größeres Auto, ein schöneres Haus, ein Titel mehr hinter dem Namen. Und innerlich… ist es trotzdem leer.

Ich glaube nicht, dass wir hier sind, um zu funktionieren. Ich glaube, wir sind hier, um das Leben zu erleben. Um Spaß zu haben. Um zu genießen. Um zu wachsen. Um zu lachen. Um das Gute zu sehen, auch wenn es gerade nicht perfekt ist. Um anderen zu helfen, nicht weil wir uns dafür Liebe, Anerkennung oder irgendeine Gegenleistung erhoffen, sondern weil es sich einfach richtig anfühlt.

Natürlich soll der Kopf mitreden. Wenn du überlegst, ob du dich von einer Klippe stürzt oder nicht, ist Denken definitiv hilfreich. Aber bei den meisten Lebensentscheidungen geht es nicht um Leben oder Tod. Es geht um Richtung. Und da glaube ich ganz fest: Dein Bauch weiß oft mehr als dein Kopf.

Nicht in einem magischen Sinne, sondern weil dein Körper, dein Nervensystem, deine Erfahrung ganz genau spüren, was für dich stimmig ist. Ob ein Job dich nährt oder auslaugt. Ob eine Beziehung sich offen oder eng anfühlt. Ob ein Weg dich wachsen lässt oder klein hält.

Ich wünsche mir so sehr, dass wir als Gesellschaft wieder mehr dahin kommen. Weniger funktionieren, mehr fühlen. Weniger vergleichen, mehr vertrauen. Weniger „Ich muss“, mehr „Ich will“. Weniger Angst, etwas falsch zu machen, mehr Mut, das Eigene zu leben.

Trust in Progress. Nicht alles muss sofort Sinn ergeben. Nicht alles muss abgesichert sein. Manchmal reicht es, wenn es sich lebendig anfühlt.

Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Ego und höherem Selbst. Das eine will Sicherheit durch Kontrolle. Das andere findet Sicherheit im Vertrauen.

Stay wonderful!

Deine Anne

Life compas[sion]®