Warum Identität viel größer ist als die Rolle, die wir zeigen
Warum wir uns oft kleiner machen, als wir sind. Über Authentizität, Human Design, berufliche Identität und den Mut, mehr von sich zu zeigen.


Wie schnell wir uns passend machen – obwohl Identität viel größer ist als die Rolle, die wir zeigen
Ich habe in den letzten Tagen ziemlich viel über meine eigene Positionierung nachgedacht. Beruf und Identität. Das passt zu mir. Das ist ein wichtiges Feld. Ich finde es spannend, wie Menschen arbeiten, wie sie Entscheidungen treffen, warum sie sich in bestimmten Rollen wohlfühlen und in anderen irgendwann komplett feststecken.
Und trotzdem habe ich gemerkt: Das ist nicht mein ganzes Aushängeschild. Eigentlich nicht mal annähernd.
Mein Aushängeschild ist Human Design. Ich liebe Human Design. Ich liebe es, tief einzutauchen, Zusammenhänge zu sehen und Menschen zu zeigen, warum sie bestimmte Dinge immer wieder tun, wo sie sich selbst übergehen und warum manche Muster so hartnäckig sind. Ich liebe diese Aha-Momente.
Gleichzeitig hatte ich Human Design nach außen immer kleiner gemacht. Fast ein bisschen entschärft. Human Design als Analyse-Tool. Klingt schön sachlich. Sehr ordentlich. Fast so, als hätte ich ihm vorher noch ein Sakko angezogen.
Das Problem daran: Es ist nicht falsch. Es ist nur viel zu klein.
Wir machen uns verständlich – und manchmal auch kleiner
Ich glaube, das passiert schneller, als man denkt. Wir versuchen, nach außen möglichst klar zu wirken. Verständlich. Seriös. Anschlussfähig. Gerade im Business lernen wir ständig, dass Menschen sofort verstehen sollen, was wir machen, wer unsere Zielgruppe ist und welches Problem wir lösen.
Alles richtig. Nur kann daraus irgendwann eine Art berufliche Schablone werden. Dann sieht man nach außen aus wie die Berufsberaterin, obwohl innen deutlich mehr los ist.
Bei mir eben Human Design, Beziehungen, Partnerschaft, Identität, Muster, Kompensation, Veränderung, Kartenlegen, Spiritualität, psychologische Zusammenhänge, Leben, Lust und alles, was Menschen interessant macht. Nicht besonders praktisch für eine hübsche kleine Marketingbox. Dafür ziemlich praktisch für echte Arbeit mit echten Menschen.
Identität ist größer als eine Berufsbezeichnung
Das Spannende ist: Genau das erzähle ich anderen ständig. Dein Beruf ist eine Facette. Deine Identität ist viel größer.
Und dann habe ich gemerkt, dass ich selbst angefangen hatte, mich über meine berufliche Positionierung zu verkleinern. Nicht bewusst. Eher subtil. Ein bisschen weniger davon zeigen. Das andere stärker betonen. Bloß niemanden verschrecken, der mit Human Design nichts anfangen kann. Bloß nicht zu spirituell wirken. Bloß nicht zu viel auf einmal sein.
Tja. Kann man machen. Fühlt sich irgendwann nur ziemlich eng an.
Authentizität ist nicht das Gegenteil von Bodenständigkeit
Vielleicht ist das einer der Punkte, die ich lange künstlich getrennt habe. Ich feiere Spiritualität. Ich lege Karten. Ich liebe Human Design. Und ich mag gleichzeitig Dinge, die ziemlich wenig nach Räucherstäbchen und Baumwollhose aussehen.
Ich liebe schöne Hotels, tolle Autos, Markenklamotten, Komfort, Struktur und materielle Dinge. Ich verschließe meine Augen nicht vor der Realität.
Das eine widerspricht dem anderen überhaupt nicht. Menschen sind komplexer als ihre Schubladen. Zum Glück.
Authentisch zu sein bedeutet für mich nicht, mich für eine Seite entscheiden zu müssen. Ich kann bodenständig sein und trotzdem offen für Dinge, die sich nicht sofort in Excel abbilden lassen. Ich kann psychologische Zusammenhänge spannend finden und Karten legen. Ich kann Human Design feiern und trotzdem kritisch denken. Ich kann berufliche Klarheit wichtig finden und gleichzeitig wissen, dass Menschen noch ein paar andere Themen haben als ihren Lebenslauf.
Vielleicht ist die Fassade manchmal einfach zu klein
Wir sprechen oft von Authentizität, als wäre das irgendein Endzustand. „Sei einfach du selbst.“ Klingt super. Ist in der Praxis nur deutlich komplizierter.
Denn wer genau ist dieses „du selbst“?
Wir entwickeln uns. Wir probieren Dinge aus. Wir ändern unsere Meinung. Wir entdecken Seiten an uns, die früher kaum Platz hatten. Manchmal passt die Rolle, die wir nach außen zeigen, irgendwann nicht mehr zu dem Menschen, der wir längst geworden sind.
Und dann fühlt sich das seltsam an. Nicht unbedingt falsch. Eher zu eng.
Genau das war bei mir der Punkt. Beruf und Identität bleiben wichtige Themen meiner Arbeit. Ich möchte Human Design nur nicht mehr so behandeln, als wäre es irgendein kleines Zusatztool, das ich zufällig auch noch benutze. Dafür liebe ich es zu sehr. Dafür kann ich damit zu viel.
Und ehrlich gesagt fühlt es sich ziemlich gut an, das jetzt auch so nach außen zu tragen. Manchmal ist Veränderung keine große Entscheidung mit Konfetti und neuem Branding. Manchmal ist Veränderung einfach: Ich mache es jetzt anders.
Ich möchte nicht mehr passend wirken
Das ist wahrscheinlich der Kern von allem. Ich möchte nicht mehr so wirken, dass mich möglichst viele Menschen sofort problemlos einordnen können. Ich möchte stimmig wirken. Das ist ein Unterschied.
Wenn jemand beruflich feststeckt und bei mir landet, darf er Human Design sehen. Wenn jemand wegen Human Design zu mir kommt, darf er merken, dass ich mich mit Identität, Verhalten, Veränderung und beruflichen Fragen beschäftige. Wenn jemand Kartenlegen komisch findet, ist das okay. Wenn jemand Human Design spannend findet und gleichzeitig bodenständig ist, umso besser.
Ich muss nicht für jeden passen.
Und vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Punkte rund um Identität: Wir verlieren uns nicht nur, wenn wir gar nicht wissen, wer wir sind. Wir verlieren uns manchmal auch, wenn wir sehr genau wissen, wer wir sind, aber nur einen kleinen Teil davon zeigen. Damit andere uns leichter verstehen. Damit wir professionell wirken. Damit wir in eine bekannte Kategorie passen.
Kann man machen. Ich habe gerade keine Lust mehr drauf.
Ich bin Anne. Ich liebe Human Design. Ich liebe Menschen. Ich liebe psychologische Zusammenhänge, Beziehungen, Identität, Veränderung und alles, was unter der Oberfläche passiert.
Und ja, ich mag auch schöne Hotels, schnelle Autos, Markenkleidung und andere Luxusgüter.
Muss sich ja keiner zwischen den Welten entscheiden.
Stay wonderful!
Deine Anne
Wichtiger Hinweis
Meine Arbeit dient der persönlichen Begleitung und Selbstreflexion und ersetzt keine medizinische, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung.
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